top of page

Was meine Marke von mir verlangt

Autorenbild: Sandra Kraft
Sandra Kraft
vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

04 / Kern

Innen klar. Außen wirksam.


Auf meiner Website stehen fünf Begriffe:


Klarheit. Präsenz. Fokus. KRAFT. Weite.


Darüber steht: Fünf Dimensionen. Ein Kern.


Sie sind in der Ich-Form geschrieben. Und trotzdem sind sie nicht die Liste meiner persönlichen Werte. Freiheit zum Beispiel ist mir persönlich wichtig. Sie steht dort nicht.


Die fünf Dimensionen beschreiben The Inner Brand. Sie sollen zeigen, wie diese Marke denkt, entscheidet und wirkt.


Nur gibt es bei einer Marke, die so eng mit einer Person verbunden ist, einen Haken: Ich kann ihre Prinzipien nicht an die Marke delegieren.


Vor Kurzem habe ich über Unternehmenswerte geschrieben. Darüber, dass sie dem Blick dahinter standhalten müssen. Das gilt auch für The Inner Brand.


Wenn ich den Kern meiner Marke durch Klarheit, Präsenz, Fokus, KRAFT und Weite beschreibe, muss ich mich daran messen lassen.


Und genau dort werden die Begriffe interessant.


Nicht dort, wo sie gut klingen. Sondern dort, wo sie im echten Leben weniger eindeutig sind als auf einer Website.


01

Klarheit

02

Präsenz

03

Fokus

04

KRAFT

05

Weite



01

Klarheit ist nicht, alles zu sagen

Auf der Website steht unter Klarheit:


Unterscheiden, was mir wichtig ist und was andere von mir erwarten.

Vor Kurzem kam ein Thema wieder auf den Tisch, über das längst alles gesagt war. Mehrfach diskutiert, Argumente ausgetauscht, Entscheidungen begründet.


Die Diskussion begann trotzdem von vorn.


Früher hätte ich wahrscheinlich wieder angesetzt. Noch einmal erklärt. Noch ein Argument nachgelegt.


Diesmal nicht.


Ich habe den Satz im Raum stehen lassen und mir meinen Teil gedacht.


Nicht aus Unsicherheit. Mir war ziemlich klar, was ich dazu zu sagen hätte. Genauso klar war aber: Eine weitere Diskussion würde weder die Entscheidung ändern noch etwas Neues hinzufügen.


Also habe ich geschwiegen.


Klarheit heißt für mich nicht, jeden klaren Gedanken auszusprechen.


Manchmal liegt sie genau darin, zu erkennen, wann weitere Worte nichts mehr klären.


02

Präsent aussehen reicht nicht

Präsenz heißt bei The Inner Brand:


Aufmerksam sein: für die Situation, mein Gegenüber und mich selbst.

Damit erwischt mich die Marke regelmäßig.


Ich bin gut organisiert. Ich denke voraus. Meistens nicht nur einen, sondern gleich mehrere Schritte.


Das ist nützlich.


Es hat nur einen Nachteil: Während ich körperlich noch im aktuellen Moment bin, ist mein Kopf längst weiter.


Beim Yoga-Unterrichten fällt mir das besonders auf. Ich sage eine Asana an, beobachte die Gruppe und plane gleichzeitig schon, was danach sinnvoll wäre.


Von außen sieht das wahrscheinlich vollkommen präsent aus.


Ich weiß, dass ich in diesem Moment nicht ganz dort bin.


Präsenz heißt deshalb für mich nicht, auf Planung zu verzichten. Sie heißt, zu bemerken, wann die Planung beginnt, den Moment zu verdrängen.


Das ist ein Unterschied.


03

Fokus braucht auch ein Ende

Unter Fokus steht:


Entscheiden, was Vorrang hat, und anderes bewusst zurückstellen.

Fokus fällt mir leicht, wenn mich etwas interessiert.


Sehr leicht.


Ich kann mich tief in eine Aufgabe eingraben. Dann kommt dieses bekannte: Das mache ich noch eben.


Aus „eben“ werden zwei Stunden.


Die Pause ist längst ausgefallen, das nächste To-do steht bereits daneben, und ich bin weiterhin hochkonzentriert.


Nur: Entscheide ich dann noch bewusst, was Vorrang hat?


Oder habe ich längst aufgehört, diese Entscheidung überhaupt zu treffen?


Genau da wird der Begriff für mich spannend. Fokus bedeutet nicht nur, sich für etwas zu entscheiden. Er braucht auch den Moment, in dem ich entscheide aufzuhören.


Eine Pause kann ebenfalls Vorrang haben.


Das klingt banal. Im Arbeitsflow ist es das nicht.


04

KRAFT und das Gurkenglas

KRAFT ist der persönlichste dieser fünf Begriffe. Schon allein deshalb, weil er mein Name ist.


Körperliche Kraft war für mich lange ziemlich konkret. Ich war immer klein und schmal, wurde entsprechend häufig unterschätzt. Und ich habe selbst durchaus geprüft, ob ich die störrische Zugtür rechtzeitig aufbekomme oder eine schwere Kiste tragen kann.


Durch Ashtanga Yoga bin ich körperlich stärker geworden.


Getragen habe ich allerdings schon vorher ziemlich viel.


Und damit bekommt KRAFT eine andere Bedeutung.


Auf der Website steht:


Für eine Überzeugung einstehen, auch wenn es unbequem wird.

Das bedeutet für mich heute nicht, alles auszuhalten oder allein bewältigen zu müssen.


Für eine Überzeugung einzustehen heißt manchmal auch, eine Grenze zu benennen oder etwas nicht weiterzutragen.


Ich kann für etwas einstehen und trotzdem sagen: Das schaffe ich gerade nicht allein.

Ich kann Haltung zeigen und um Hilfe bitten.


Und wenn es nur das Gurkenglas ist.


Früher hätte ich wahrscheinlich noch eine Runde gedreht, bevor ich es weitergegeben hätte.


Heute sehe ich darin keinen Beweis mehr.


KRAFT heißt nicht, alles tragen zu müssen, nur weil man es tragen kann.

05

Weite braucht einen eigenen Standpunkt

Weite bedeutet bei The Inner Brand:


Andere Sichtweisen ernst nehmen und das eigene Urteil hinterfragen.

Das halte ich für eine der anspruchsvollsten Dimensionen.


Bei anderen Menschen fallen mir Scheuklappen schnell auf. Bei mir selbst naturgemäß weniger.


Dabei weiß ich nie vollständig, was mein Gegenüber mitbringt. Was vorher passiert ist. Welche Erfahrung hinter einer Reaktion steckt. Welche Information mir fehlt.


Eine andere Perspektive kann den Blick auf eine Situation verändern.


Andere Sichtweisen ernst zu nehmen bedeutet für mich aber nicht, sie übernehmen zu müssen. Und das eigene Urteil zu hinterfragen heißt nicht, keinen eigenen Standpunkt mehr zu haben.


Im Gegenteil.


Weite braucht einen Standpunkt. Sonst wird sie beliebig.

Wo jemand über meine Grenze geht oder ich gegen meine eigenen Prinzipien handeln soll, endet der Perspektivwechsel nicht. Aber meine Zustimmung schon.


Beides kann gleichzeitig stimmen.


06

Die Fragen dahinter

Je länger ich mit diesen fünf Dimensionen arbeite, desto deutlicher wird: Ihre Definitionen sind nur der Anfang.


Interessanter sind die Fragen dahinter.


Klarheit

Muss alles ausgesprochen werden, nur weil es klar ist?

Präsenz

Bin ich noch präsent oder gedanklich längst beim nächsten Schritt?

Fokus

Was hat wirklich Vorrang? Und wann ist es Zeit damit aufzuhören?

KRAFT

Muss ich etwas tragen, nur weil ich es kann?

Weite

Und kann ich eine andere Sichtweise ernst nehmen, ohne meinen eigenen Standpunkt aufzugeben?


Auf einer Website lassen sich fünf Dimensionen sauber nebeneinanderstellen.


Im Alltag überschneiden sie sich. Sie widersprechen sich. Sie fordern Entscheidungen.


Und genau darin liegt der Kern. Nicht in einer einzelnen Dimension, sondern darin, wie sie sich gegenseitig korrigieren. Klarheit braucht Weite. Fokus braucht Präsenz. Und KRAFT braucht die Entscheidung, wofür es sich lohnt, unbequem zu werden.


Keine der fünf trägt für mich allein. Entscheidend ist ihr Zusammenspiel.


Ich verstehe sie nicht als Beschreibung dessen, was ich immer bin…


Sondern als Maßstab dafür, genauer hinzusehen.

Kommentare


bottom of page